Das digitale Marktstandl

Regionalis ist ein Online-Marktplatz für Kreatives, Handgemachtes und Kulinarisches aus Österreich – eine Plattform für zahlreiche Klein- und Kleinstproduzenten. Diese können kostenlos ihr eigenes ‚digitales Marktstandl‘ einrichten, von sich erzählen und das Standl mit ihren Produkten befüllen. Gegründet wurde das Start-up 2017 von Peter Patak (29) der an der Universität Wien BWL studierte.

Was steckt hinter Regionalis?

Die Devise ist nicht ‚Geiz ist geil‘ und ‚Dumpingpreise‘, sondern der direkte Verkauf an den Kun- den zu fairen Preisen. Für die Käufer bedeutet das wiederum, dass sie auf einer einzigen Plattform eine Vielzahl an kleinen Produzenten aus verschiedenen Regionen des Landes finden können. Daher auch der Name Regionalis.

Wird jedes Produkt von euch persönlich getestet?

Nicht jedes Produkt, da fast jeden Tag neue Produzenten dazukommen.  Aber am Anfang habe ich alle Hersteller, die beim Go-live dabei waren, persönlich kennengelernt.  Ich stehe mit ihnen immer noch in engem Kontakt und habe von einigen etwas gekauft. Der regelmäßige Austausch mit den Produzenten ist mir enorm wichtig. Wer sind sie, woher kommen sie, wie produzieren sie, was ist ihre Geschichte und Motivation? Ich gehe zum Beispiel schon sehr lange auf die Kunst- und Designmärkte in Wien, und aus dem vormals privaten Interesse an den Produkten sind Geschäftsbeziehungen entstanden.

Hast du ein Lieblingsprodukt?

Ja, mein Bruder hat mir die Grafik einer Wiener Illustratorin ‚Pezimist‘ geschenkt. Ich heiße ja Peter, als Kind wurde ich immer Pezi genannt. Und weil ich manchmal etwas pessimistisch veranlagt bin, finde ich diese Karte einfach gut. Die steht auf meinem Schreibtisch. Oder auch meine Handyhülle, das ist echter, Millionen Jahre alter Schieferstein aus dem Pongau in Salzburg.

Kann jeder bei euch verkaufen, der etwas regional produziert? Also zum Beispiel auch der Opa, der im Keller Holzfiguren bastelt?

Im Prinzip schon. Wichtig ist, dass der Produzent aus Österreich kommt und etwas Handwerkliches und/oder etwas Kreatives herstellt. Der Großteil der Wertschöpfungskette muss in Österreich stattfinden. Und natürlich muss man sich an die rechtlichen Rahmenbedingungen halten, beispielsweise bei Lebensmitteln oder Naturkosmetik.


Foto: Im Webshop von Regionalis gibt es ausschließlich Kreatives, Handgemachtes und Kulinarisches aus Österreich zu finden.


 


Was hast du auf der Uni gelernt, das dir für die Gründung deines Start­ups zugutegekommen ist?

Es war bei der Entwicklung definitiv ein Vorteil, dass ich die rechtlichen Rahmenbedingungen bereits kannte. Ich habe mich während des Studiums auf International Marketing mit Fokus auf Marktforschung und Controlling spezialisiert. Von Anfang an war daher die Strategie, den Kontakt und Zugang zur Zielgruppe sowie zu den Produzenten zu suchen und sich zu fragen: Gibt es überhaupt einen Markt und einen Bedarf? Was ist der Bedarf, kann ich ihn decken und wie kann ich das machen? So wurde Regionalis auf die Ziel- gruppe zugeschnitten aufgebaut.

Hattest du Unterstützung von einem Uni­Netzwerk?

Eigentlich nicht. Ich war auch bei keinem Inkubator dabei, stehe aber noch immer mit meinem ehemaligen Lehrstuhl in regelmäßigem Kontakt und Austausch. Ich habe bereits zweimal einen Gastvortrag über Digital Marketing und Entrepreneurship halten dürfen und finde es lässig, dafür an die Uni zurückzukehren. Manche Studenten haben eine sehr falsche Vorstellung davon, was ein Start-up bedeutet. Mein Ziel ist, davon leben zu können, und dass alle Mitwirkenden unter guten Arbeitsbedingungen ihren Job machen. Wenn finanziell dabei mehr rausschaut, ist das super, aber nicht meine oberste Priorität.

Was war die größte Herausforderung bei der Gründung von Regionalis?

Ich glaube, die größte Hürde für mich war eher eine psychologische. Wenn man eine Idee hat und ein Unternehmen starten will, ist die Umsetzung das Schwierigste. Die Entscheidung gegen ein Angestelltenverhältnis, gegen die vermeintliche Sicherheit und für das unternehmerische Risiko.

Was ist dein Businessmodell?

Jeder Anbieter kann gratis seinen Shop eröffnen. Sowohl die Registrierung als auch das Inserieren der Produkte ist kostenlos. Nach dem erfolgreichen Verkauf erhält Regionalis eine Verkaufsprovision in Höhe von neun Prozent des Nettobestellwerts.

Regionalität ist ein Buzzword unserer Zeit. Warum ist es wichtig, regionales Schaffen zu fördern?

Wenn du genau weißt, wo etwas herkommt und wie etwas produziert wird, lernst du das Handwerk, die ‚Skills‘, wieder zu schätzen und hast einen komplett anderen Bezug zum fertigen Produkt. Regionalis will sich von Waren distanzieren, die teilweise unter widrigen Arbeitsbedingungen fabriziert und über die ganze Welt verschickt werden. Klein- und Kleinstproduzenten aus Österreich, auch aus dem letzten Zipfel im Waldviertel, sollen durch Regionalis eine Chance bekommen, ihre Produkte österreichweit anzubieten, zu verkaufen und davon leben zu können. Wir unter- stützen sie bei der Digitalisierung des Prozesses, indem wir ihnen die Infrastruktur zur Verfügung stellen und die gemeinsame Vermarktung vorantreiben.

Welche Bedeutung hat ein nachhaltiger Lebensstil für dich als Privatperson?

Nachhaltigkeit ist für mich ein achtsamer und bewusster Umgang mit Ressourcen. Ich kann mir einen Rucksack aus China zu Dumpingpreisen bestellen. Der wird mit dem Flieger um die halbe Welt zu mir geschickt. Oder ich bestelle etwas regional Produziertes, zahle zwar etwas mehr, habe dafür aber länger was von meinem Einkauf und verringere gleichzeitig meinen umweltbelasten- den Footprint. Für mich ist Regionalität gleichzeitig Nachhaltigkeit.


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Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag im Rise Karrieremagazin von Marion Ramell.



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