Hirn, Herz, Bauch - Wie treffe ich Entscheidungen?

Entscheidungen treffen mit der Hilfe von Uniport, dem Karriereservice der Universität Wien

Pizza oder Sushi? Ausgehen oder Chillen? Masterstudium oder Jobeinstieg? Entscheidungen begleiten uns unser ganzes Leben. Wir treffen täglich unzählige davon. Doch gerade als Studierender steht man vor vielen großen, oft lebensverändernden Entscheidungen. Ein Student erzählt, wie er damit umgegangen ist.


Sonntag bei Michi (20) und seiner Freundin Julia zu Hause. Die beiden sitzen auf der Couch und unterhalten sich angeregt. Auf Michis Schoß sein Laptop, auf dem er sich gerade die Websites unzähliger Universitäten ansieht. Das Thema ist wieder einmal das Studium. Zwar ist Michi immer noch mitten im Zivildienst, trotzdem beschäftigt er sich schon ausgiebig mit dem nächsten großen Lebensabschnitt:

Welches Studium ist das richtige für mich? Und was kommt danach?

Eine Entscheidung, die die meisten von uns schon getroffen haben. Doch bestimmt kann sich jede/r daran erinnern, wie schwierig es war herauszufinden, was das Richtige für uns ist. Die Möglichkeiten sind endlos. Verfahrenstechnik, Psychologie, Sportwissenschaften – Michi will einen dieser drei Studiengänge belegen. Seit Wochen beschäftigt er sich mit dem Thema, aber mit jeder beantworteten Frage tun sich zwei neue auf. „Das Angebot ist riesig. Zwar gibt es auf den Websites der Unis Übersichten der Studieninhalte, aber das hilft mir nicht bei meiner Entscheidung. Man findet auf fast jede Frage eine Antwort, aber man muss viel zu lange danach suchen und manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich mich dadurch dann wirklich auskenne.“

Zeit ... zu analysieren

Was Michi beschreibt ist ein geläufiges Problem bei großen Entscheidungen. Je mehr Informationen wir zur Verfügung haben, desto schwerer wird es, sie ordentlich zu verarbeiten. In seinem Buch „Economic psychology: An introduction“ erklärt Wirtschaftspsychologe Prof. Erich Kirchler warum das so ist. Empirische Studien haben gezeigt, dass die Kapazität eines Menschen, Informationen zu verarbeiten, begrenzt ist. Wenn wir nicht genug Zeit haben, um alle Informationen ausreichend zu analysieren, passieren Fehler und wir können keine gute Entscheidung mehr treffen. Das kommt besonders oft vor, wenn wir Entscheidungen treffen müssen, bei denen die Konsequenzen der einzelnen Ausgangssituationen nicht klar ersichtlich sind. Wie zum Beispiel bei der Entscheidung für ein Studium, eine neue Wohnung oder die Trennung von einem/einer PartnerIn. Wir wissen nicht, wie es uns später mit der Entscheidung gehen wird, weil wir keine Möglichkeit haben, die zukünftige Situation ausreichend nachzustellen. Bei so großen Entscheidungen fehlen uns Zeit, Informationen und Erfahrungswerte, um alle Möglichkeiten ausreichend zu analysieren.

Alltägliche Entscheidungen – wie ob wir lieber mit dem Radl oder der Bim fahren – sind leicht zu treffen, weil wir genau wissen, was auf uns zukommt, wenn wir uns für die eine oder die andere Sache entscheiden. Es gibt meist nur wenige Möglichkeiten und die Konsequenzen sind nicht gravierend – im schlimmsten Fall werden wir nass oder kommen etwas zu spät. Je größer die Möglichkeiten und je gravierender die Konsequenzen, desto schwieriger fällt uns eine Entscheidung.

Uniport Karriereserive - Entscheidungen, Studienwahl und Berufseinstieg... zu bedenken

Für Michi bedeutet der Entschluss für ein bestimmtes Studium nicht nur, womit er sich die nächsten Jahre beschäftigt, sondern auch, was er beruflich für den Rest seines Lebens machen möchte. Es ist ihm sehr wichtig, etwas zu studieren, bei dem nicht nur die Jobaussichten gut sind, sondern das ihm auch Spaß machen wird. Das erschwert die Entscheidung ungemein, weil er gar nicht wissen kann, wie sein Leben mit einem bestimmten Job aussehen wird. Ganz intuitiv hat er sich deshalb Rat bei seinen älteren Schwestern geholt, die beide schon studieren. Durch sie hat er Zugang zu Skripten und Erfahrungsberichten bekommen und konnte sich so ein etwas besseres Bild vom Studieren an sich machen. Die Meinungen von Menschen, die wir respektieren und die uns wichtig sind, spielen eine große Rolle bei Entscheidungen. Die meisten werden unter starker Berücksichtigung dessen getroffen, was unser Umfeld denkt.

... zu fragen

Laut Dr. Franz Oberlehner von der Psychologischen Studierendenberatung Wien, führt kein Weg um eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Studienwahl und Berufswunsch herum. Man sollte sich über die eigenen Ziele, Interessen und Begabungen klar sein und möglichst viel mit Menschen sprechen, die bereits eine ähnliche Entscheidung getroffen haben. Egal, ob es sich dabei um Familienmitglieder und Freunde oder Fremde handelt. Dabei muss uns lediglich bewusst sein, welche Form der Unterstützung uns die einzelnen Personen bieten können. Menschen, die viel Zeit mit uns verbringen, können uns Tipps geben, weil sie uns kennen und wissen, wo unsere Interessen liegen. Dafür kann es aber auch sein, dass sie uns gewisse Entscheidungen unbewusst aufdrängen. Zum Beispiel wenn beide Eltern Medizin studiert haben und sich das auch für ihr Kind wünschen. Außenstehende können mehr Fachwissen beitragen und eine objektive Sicht auf die Dinge bieten, schätzen uns dafür aber vielleicht ganz falsch ein.

... zu spüren

Solche Gespräche sollen deshalb auch nicht mit dem Anspruch stattfinden, dass die andere Person weiß, was für einen richtig ist, sondern lediglich, um sich tiefergehend mit dem Thema auseinanderzusetzen und möglicherweise eine andere Sichtweise zu bekommen, so Dr. Oberlehner. Er rät dazu im Zweifelsfall einfach auf sein Bauchgefühl zu hören. Da das Unbewusste gleichzeitig viel mehr Informationen verarbeiten kann als unser Bewusstsein, haben wir unbewusst oft schon eine gut durchdachte Entscheidung getroffen, bevor es uns wirklich klar wird. Das äußert sich dann durch das Bauchgefühl. Und wenn wir uns zuvor ausreichend informiert haben, dürfen wir dem auch mit gutem Gewissen vertrauen. Jeder geht also mit Entscheidungen anders um. Sicher ist nur, dass sie für niemanden wirklich einfach sind. Der Mensch und seine Entscheidungsfähigkeit sind nicht fehlerlos und auch eine gut durchdachte Entscheidung kann schief gehen.


Tipp

Anita Ring von Uniport rät, Ent­scheidungen mittels einer Affektbi­lanz zu lösen. Diese von der Dipl. Psychologin und Psychoanalytiker­ in Maja Storch entwickelte Selbst­diagnose verbindet die Affekthand­lung aus dem Bauch heraus mit einer wohl überlegten Entscheidung: Zeichne einen vertikalen Strich für deine unangenehmen Gefühle und daneben einen vertikalen Strich für deine angenehmen Gefühle auf ein Blatt Papier. Darüber stehen 100 Prozent, darunter 0 Prozent. Nun markiere schnell und aus dem Bau­ch heraus auf dieser Skala deine Empfindungen zu einer ausstehenden Entscheidung. So kannst du zum Beispiel deine Gefühle zu jedem der Studien, die für dich in eine nähere Auswahl kommen, verdeutlichen.


... zu entscheiden

Was wir aber definitiv verbessern können, ist unsere Fähigkeit, überhaupt Entscheidungen zu treffen und den Prozess, der dem vorausgeht. Laut Dr. Oberlehner haben unentschlossene Menschen häufig eine sehr zwanghafte Persönlichkeit und wollen alles unter Kontrolle haben. Das erschwert Entscheidungsprozesse, weil bei Entscheidungen immer auch unbekannte Faktoren beachtet werden müssen. Da kommt dann der kritische Teil der Persönlichkeit eines solchen Menschen zum Vorschein und macht alle Fortschritte aus dem bewussten Prozess der Entscheidung zunichte. Wenn man sich also ungewöhnlich schwer entscheiden kann, hat das vielleicht einen tiefergehenden Ursprung. Sehr oft können zwanghafte Persönlichkeitsmerkmale auf ungelösten Konflikten in der Vergangenheit basieren. Deshalb gilt: Wer wichtige Entscheidungen treffen muss, sollte erst mal alle anderen Konflikte lösen, denn das erleichtert den Vorgang ungemein.


Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Lena Schmid, erschienen im Karrieremagazin Rise.



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