Montag 21. August 2017
Login ›

Ab heute bist du gut genug!

Von Blockaden in der Jobsuche und inneren Konflikten

 

 

 

Angst & Selbstzweifel im Bewerbungsprozess

 

Angst und Selbstzweifel: Wir kennen diese unausstehlichen Mitbewohner im Kopf, die uns unablässig einreden, wir seien unzulänglich und haben's einfach nicht drauf. Über sie sprechen wollen wir trotzdem nicht gerne. Umso beeindruckender ist das Bekenntnis von Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook: Sie gestand in einer Abschlussrede vor 2.000 Universitäts-AbsolventInnen in Chicago ein, selbst nicht frei von Selbstzweifel zu sein und trotz ihres bahnbrechenden Erfolgs immer wieder Dialoge mit ihren inneren Zweiflern zu führen.

 

Was also tun? Wichtig ist, sich den Selbstzweifeln zu stellen. Wie du sie besser in den Griff bekommen kannst, erfährst du hier:

 

Ist heute wirklich alles Rocket Science?

 

„Wir suchen dich! Die Marketingbranche ist dein Hood. Du bringst bereits einschlägige Berufserfahrung mit und nennst eine abgeschlossene Ausbildung im Bereich Social Media, PR und Kommunikation dein Eigen. Storytelling ist eine deiner größten Stärken und als Digital Native kann dir bei Blogs, Facebook, Twitter und Co. niemand etwas vormachen. Weiters zählt das Ausklügeln von gewieften Marketingstrategien zu deinen Leidenschaften und du bist sowohl ein kreativer Teamplayer  als auch ein strategischer Kopf…“. Schluck. Klingt nach Wunschzettel ans Christkind.

 

Die gute Nachricht: Wenn du dich in dieser oder ähnlichen Stellenausschreibungen nicht sofort wiederfindest, musst du die Flinte nicht ins Korn werfen. Du musst kein Wunderwuzzi sein, um deinen Platz zu finden. Versuch es mit diesen zwei Strategien, um dich an deine Wunschposition heranzutasten:

 

Strategie 1:

 

Beginne bei deiner Motivation, ehe du dich als unqualifiziert abstempelst. Überlege dir im ersten Schritt: Was reizt mich an der Stelle? Und versuche eine Stellenausschreibung nicht als bloße Auflistung genau zu erfüllender Anforderungen zu lesen. Stell dir lieber die Frage: Womit kannst du die Position bereichern UND welche Perspektive bietet dir die Stelle für deine berufliche Laufbahn? Auch wenn du nicht alle Anforderungen erfüllst kann eine Gesprächseinladung folgen, vor allem dann, wenn du dein Engagement und Interesse für die Stelle klar kommunizierst. Den aufkeimenden Unsicherheitsgedanken „Bin ich eigentlich gut genug?“, schieb besser gleich beiseite. Schnapp dir stattdessen einen Zettel und schreib auf, was du an dem Job spannend findest und welche Erfahrungen, Fähigkeiten und Ideen du für die ausgeschriebene Stelle im Gepäck hast.

 

Strategie 2:

 

Bring deine Bewerbungsunterlagen zum Strahlen und denk daran, dass es auch auf die Verpackung ankommt! Aus einem stinknormalen Ferialjob, der eigentlich nur zum Geldverdienen gedacht war, kann eine interessante Berufserfahrung werden, die dir praktische Einblicke in eine Branche ermöglicht hat. Setz dich in Szene und überlege, wo die Schnittmenge zwischen deinen Fähigkeiten und den Anforderungen, die das Unternehmen an die Position stellt, liegt. Du kannst mehr als du denkst! Übrigens: Auch Unternehmen machen in Sachen Selbstmarketing keine halben Sachen. Oder hast du jemals einen Personalisten von den öden Seiten des Berufsalltags sprechen gehört?

 

Was tun? Beginne bei dir selbst…

 

Klingt logisch, aber wie soll das gehen? Der Glaube an sich selbst beginnt mit einer realistischen Einschätzung der eigenen Skills. Dabei geht es weder um Hochstapelei noch um Selbstunterschätzung. Was kann ich wirklich gut? Auf welche Erfolge kann ich zurückblicken? Und was/wer hat mir dabei geholfen, mein Studium erfolgreich zu bewältigen? Um Anworten auf diese Fragen zu finden, macht es Sinn, sich mit Menschen auszutauschen, die dich gut kennen und die ehrlich zu dir sind. Wie beschreiben sie deine Talente und Fähigkeiten? Greif erneut zu deinem Zettel und ergänze deine aufgelisteten Erfahrungen um kleine, feine Geschichten. Marketing-Fachleute würden von Storytelling sprechen - also von Geschichten, die konkrete Bilder im Kopf erzeugen. So bleibst du deinem Gegenüber in Erinnerung. Vergiss nicht: Der Glaube an sich selbst kann Berge versetzen. Er ist jedenfalls ein erster wichtiger Schritt aus dem angstmachenden Kopfkino.

 

Keep calm & work hard

 

Plötzlich kommt der erlösende Anruf: „Guten Tag. (…) Ihr CV klingt vielversprechend. Wir würden Sie gerne persönlich kennenlernen.“ Super! Du hast es in den engen Kreis der Auserwählten geschafft! Ein Freudensprung – jetzt heißt es trotzdem nochmal alles geben! Die Nervosität steigt. Wo vorher das Gefühl der Unsicherheit war, ist jetzt Angst vor dem Versagen: „Nur keinen falschen Eindruck erwecken. Nur kein Blackout. Du darfst diese Chance nicht verhauen“, wispert die Stimme des inneren Antreibers namens Perfektionismus. „Sei authentisch und eloquent. Und sympathisch: Ein freundliches Lächeln, ein überzeugender Händedruck und ein lockerer Smalltalk auf den Lippen.“, fügt er hinzu.

 

Puh, kein Kinderspiel. Dein Magen verkrampft sich. Die Gedanken drehen sich im Kreis und ein innerer Kampf deiner verschiedenen Persönlichkeitsanteile beginnt. Während die Stimme des Selbstzweifels laut und dominant wird, verhält sich die hemdsärmelige Macherin in dir leise und zögerlich. In meinen Beratungsgesprächen erlebe ich oft, dass die kritische Stimme bei Berufseinsteiger/innen die Oberhand gewinnt. Sie setzt zynisch nach: „Ist die Position nicht eine Nummer zu groß für dich? Du wirst dich sicher lächerlich machen. Lass es lieber, du kannst die Mitbewerber/innen ohnehin nicht toppen…“  

 

Ich bin viele

 

Friedemann Schulz von Thun, der bekannte Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, wies darauf hin, dass ein Mensch nicht nur eine Persönlichkeit besitzt, sondern verschiedene Persönlichkeitsanteile in sich vereint. Die Anteile stehen im ständigen Austausch und prägen unser Denken. Während ein Mitglied des inneren Teams beispielsweise darauf achtet, das immer genug Geld am Konto ist, frönt ein anderer Anteil gerne der unbeschwerten Lebenslust und Luxusgütern. Bestehen zwischen den Anteilen große Widersprüche (z.B. ein Konflikt Vorsichtige vs. Draufgängerin), wird aus dem inneren Team allerdings schnell ein zerstrittener Haufen. Das führt unweigerlich zu Problemen in der Kommunikation nach außen und kann in entscheidenden Situationen lähmen. Soweit so klar – aber wie kann man dieses innere Streitgespräch schlichten?

 

Wie bei einer Meditation üblich, müssen zuerst alle Meinungen gehört und der innere Dialog bewusst geführt werden. Das heißt, dass alle Gedanken und Aussagen zu einem Problem (wie dem bevorstehenden Bewerbungsgespräch) aufgeschrieben werden sollen. Im Anschluss geht es darum, herauszufinden, welche Persönlichkeitsanteile hinter welcher Aussage stecken. Hinter der Aussage: „Das schaffst du nie!“ steht höchstwahrscheinlich der innere Kritiker, der alles perfekt machen will. Formulierungen wie „Der Job könnte langweilig werden“ kommen eher von der abenteuerlichen Teamplayerin, die ein Auge darauf hat, dass der Job abwechslungsreich genug ist und auch interessante Dienstreisen in Aussicht stehen.

 

Sind die Persönlichkeitsanteile erst einmal ins Bewusstsein getreten, gilt es herauszufinden, wie sie wieder an einem Strang ziehen können. Zum Glück kann jede/r von uns die Führung des eigenen inneren Teams übernehmen und störende Mitglieder auf die Ersatzbank verweisen. Wer das selbst ausprobieren will, findet hier eine gute Anleitung dazu. Wer sich im Selbstreflexionsprozess lieber begleiten lässt, kann natürlich auch das Beratungsangebot von Uniport in Anspruch nehmen.

 

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

 

Sich seiner Ängste bewusst zu werden und sie mit guten Freund/innen oder der Familie zu teilen, ist ein erster wichtiger Anstoß für Veränderung. Denn das Durchbrechen der eigenen "Schweigemauer" macht Schluss mit passiven Angstgefühlen. An die Stelle der diffusen Angst tritt etwas Konkretes, etwas Handhabbares. Für eine angstbesetzte Situation können anlassbezogene Handlungsstrategien entwickelt werden, sodass die Situation an Dramatik verliert. Oft hilft ein Perspektivwechsel, da durch das Aufzeigen von möglichen Alternativen die Angst weniger wird. Es gibt Licht am Ende des stressbedingten Tunnels!

 

Helfen können übrigens auch Gedankenexperimente wie die Kopfstandmethode. Frag dich: Was kann schlimmstenfalls passieren? Wie sieht das Worst Case-Szenario für deine Bewerbung aus? Ist es ein Versprecher? Ein Blackout? Eine Frage, die du nicht beantworten kannst? Sind es nasse Hände? Wie dein Horrorszenario auch immer aussehen mag, stell es dir vor und entwickle mit vertrauten Menschen ein passendes Handlungsszenario. Frag dich: Was tu ich dann? Du wirst staunen, wie lustvoll es sein kann und wie schnell du erkennst, dass die Angst vor der Situation schlimmer ist als der eigentliche Moment.

 

Epilog – Wenn dein große Auftritt misslingt

 

Die Tür fällt ins Schloss. Das Bewerbungsgespräch ist vorbei. Die Nervosität fällt ab. Durchatmen. Es ist geschafft. Nun liegt der Ball beim Unternehmen. Aber wie wird die Entscheidung ausfallen? Das große Grübeln geht weiter: War ich überhaupt überzeugend? Hätte ich die eine Frage nicht doch lieber anders beantworten sollen? Jetzt heißt es abwarten und Tee trinken. Aber das Handy liegt immer griffbereit und mit jedem Tag, der ohne Antwort verstreicht, wird deine Angst vor der Absage größer. Was ist, wenn ich den Job nicht bekomme? Schon formiert sich das innere Team wieder zum Streit und die Perfektionistin verkündet hämisch: "Du hast es versemmelt – ich hab’s dir ja gesagt!Stopp!

 

Mach deinem Frust Luft und sprich darüber. Gut gemeinte Ratschläge wie: „Nimm es nicht persönlich, die Absage hat nichts mit dir zu tun“ helfen dir jetzt auch nicht weiter. Denn offen gesagt: Bewerbungsprozesse können mühsam sein und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. Da hilft nur eins: Raus aus der Negativspirale! Rauf aufs Rad oder was dir sonst noch gut tut. Auch wenn es in diesem Moment schwerfällt, grüble nicht zu viel darüber, was du vielleicht „falsch“ gemacht hast. Möglicherweise haben die äußeren Umstände einfach nicht gepasst oder die Stelle wurde gar nicht bzw. intern nachbesetzt. Wer weiß. Versteh die Absage also nicht als Bestätigung deiner Ängste, sondern als Anstoß, auch beim nächsten Mal dein Bestes zu geben. Schau, was in deinem Leben alles gut läuft und beginn wieder dort wo du aufgehört hast: Beim Glauben an dich selbst!

 

 

 

Mag.a Daniela Wittinger

ist Karriereberaterin bei Uniport, dem Karriereservice der Universität Wien.

Im Rahmen der UNI SUCCESS17 steht dir Daniela für kostenfreie Checks deiner Bewerbungsunterlagen zur Verfügung.

 

 

Karriereservice
Universität Wien GmbH

Campus, Hof 1.17, Stöcklgebäude
1090 Wien, Spitalgasse 2
Tel: (+43 1) 4277-10070
ein Unternehmen der
https://www.uniport.at/