Dienstag 26. September 2017
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Geradlinige Karriere? Ist doch langweilig!

 

 

Die klassischen geisteswissenschaftlichen Studiengänge an österreichischen Universitäten bieten vieles – nur keine Ausbildung für einen bestimmten Beruf. Stattdessen hat man nach einem geisteswissenschaftlichen Studium zwar einen Abschluss, aber noch keine Ahnung von den meisten Aufgaben, die man im Job erfüllen muss. Zugegeben, das klingt erstmal recht negativ. Aber Hand aufs Herz: Wir wussten schon vor unseren Studien, dass wir es schwerer haben würden als Absolventen der sogenannten MINT-Fächer, oder?

 

Wenn du nach deinem Studium nicht gleich den Traumjob findest, mach dir  trotzdem keine Sorgen: Laut den aktuellen Zahlen des AbsolventInnen-Trackings der Universität Wien finden GeisteswissenschaftlerInnen nach durchschnittlich 2 bis 3 Monaten den ersten Job. Dieser ist vielleicht unterbezahlt oder befristet, aber er ist in jedem Fall ein erster Einstieg in den Arbeitsmarkt. Außerdem steigt der Verdienst, so die Studie, innerhalb der ersten Jahre an. Falls das nicht klappt, gibt es immer noch die Möglichkeit eines Quereinstiegs in ein anderes Berufsbild.

 

Berufsfelder für GeisteswissenschaftlerInnen

 

Quereinsteigen kannst du in zahlreiche Berufsbilder, bei denen Ideenreichtum, Kreativität und Talent mehr zählen als das absolvierte Studienfach. Viele GeisteswissenschaftlerInnen gehen in den Kulturbereich, wo sie beispielsweise Öffentlichkeitsarbeit machen oder Events organisieren. Laut einer Studie von gehalt.de sind 31% der PR-Fachkräfte GeisteswissenschaftlerInnen. Außerdem haben insgesamt 12% aller im Online Marketing Beschäftigten einen geisteswissenschaftlichen Background.

 

Ein weiterer großer Bereich sind die Medien. Angefangen von Social Media Management in einer Agentur über Redaktion bei einer Unternehmenswebsite bis hin zur Moderation von Fernseh- und Radiosendungen sind alle möglichen Werdegänge vertreten. Doch wie kann man am besten durchstarten?

 

Quereinstieg Boost #1: Mach deine Erfahrungen wertvoll!

 

GeisteswissenschaftlerInnen sind breit ausgebildet und können sich an verschiedenste Aufgabengebiete und Anforderungen anpassen. Sie sind bekannt dafür, neuen Impulsen offen gegenüber zu stehen und über den Tellerrand zu blicken. Oft werden QuereinsteigerInnen auch gezielt eingestellt, um branchenfremdes Wissen ins eigene Unternehmen zu integrieren. Und genau dieses Spezialwissen solltest du hervorheben.

 

Überlege dir, welche Erfahrungen du im Laufe deiner beruflichen oder akademischen Laufbahn gemacht hast, die genau dir den Vorzug für eine bestimmte Position geben. Diese kannst du dann gezielt in Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgesprächen positionieren.

 

Quereinstieg Boost #2: Mache eine Zusatzausbildung!

 

Den Quereinstieg in ein spannendes Arbeitsfeld beschleunigen kannst du, indem du nach deinem  Studium noch ein wenig Zeit (und evtl. auch Geld) investieren und eine zu deinen Interessen passende Weiterbildung, zb. in Form eines postgradualen Lehrgangs, machst. Ein Studienkollege aus der Kommunikationswissenschaft arbeitet beispielsweise heute als Grafiker. – die Skills hat er in einem Zusatzkurs nach Studienende erworben. Eine Freundin hat Politikwissenschaften studiert und ist jetzt erfolgreich in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Ich selbst studiere nach einigen Jahren Berufstätigkeit auch wieder – und werde in Zukunft mein neu erworbenes Wissen im Bereich Webdesign mit meiner Erfahrung im Online Marketing verknüpfen.

 

Alternativ dazu kannst du dir auch online auf verschiedensten Plattformen zusätzliches Wissen aneignen. Zum Beispiel, wie du ein Content Management System bedienst oder in Photoshop Bilder bearbeitest. Auch Fremdsprachen oder Basiskenntnisse in Betriebswirtschaft sind gern gesehen.

 

Quereinstieg Boost #3: Erstelle ein Portfolio oder sammle Referenzen!

 

Auch ohne Zusatzausbildung sind GeisteswissenschaftlerInnen gefragte MitarbeiterInnen. Beim Berufseinstieg müssen sie zwar manchmal Überzeugungsarbeit leisten, werden jedoch aufgrund ihrer Kompetenz schnell geschätzt. Für die meisten Berufe in den Bereichen Medien, IT, Kunst und Kultur, Beratung etc. gibt es keine geschützten Berufsbezeichnungen. Im Klartext heißt das, dass jeder, der sich JournalistIn, ModeratorIn oder BeraterIn nennen möchte, sich auch so nennen darf.

 

Doch gerade im Kreativbereich zählt das Portfolio weit mehr als eine Ausbildung oder ein Studium. Wenn du also einen solchen Beruf ins Auge fasst, lege am besten ein paar deiner besten Arbeitsproben bei oder verlinke diese auf eine Portfolio-Website. Außerdem kannst du Referenzen und Testimonials sammeln – und diese auch in einem Online Profil, wie etwa auf Xing oder LinkedIn, angeben.

 

Quereinstieg Boost #4: Netzwerken und Kontakte sammeln!

 

Eines der wichtigsten Dinge im Berufsleben ist es, rechtzeitig Kontakte zu knüpfen. Das gilt zwar nicht nur für QuereinsteigerInnen, hilft diesen allerdings noch mehr als allen anderen BerufsanfängerInnen. Von allen Menschen, die ich kenne, sind die kontaktfreudigen die Erfolgreichsten. Nicht unbedingt, weil sie die besten sind, sondern weil sie beispielsweise als Bekannte eines guten Freundes der Firmenleitung einfach einen Sonderstatus genießen. Wenn dann auch noch die Qualifikationen passen, leuchtet die eigene Bewerbung aus dem Stapel der anderen Mappen oder Mails heraus bzw. wird von vornherein detaillierter angeschaut.

 

Oft schafft man es so auch zum Bewerbungsgespräch und kann durch Soft Skills und Persönlichkeit überzeugen. Die wichtigsten – Lernbereitschaft, Belastbarkeit, Eigeninitiative – bringst du als GeisteswissenschaftlerIn ohnehin mit. Darüber hinaus kannst du vielleicht sogar mit Führungskompetenz und Konfliktfähigkeit punkten.

 

Quereinstieg Boost #5: Bei den richtigen Unternehmen bewerben

 

Unlängst hatte ich Kontakt mit der Personalerin eines mittelgroßen Konzerns, die mir explizit zu verstehen gab, dass sie nicht einmal QuereinsteigerInnen mit einer Zusatzausbildung eine Chance geben würde. Schade. Nicht nur für BewerberInnen, sondern vor allem für die betroffene Firma.

 

In vielen Unternehmen findet allerdings ein Umdenken statt, das unter anderem dem Fachkräftemangel geschuldet ist. Neologismen wie Cross-over-Skills und Diversity Management zeigen, dass es Bemühungen gibt, QuereinsteigerInnen zu fördern und auf sich aufmerksam zu machen. In einigen größeren Unternehmen werden bereits interne Schulungen für QuereinsteigerInnen angeboten. In kleineren Unternehmen lernt man einfach on the job oder bekommt zunächst einmal leichtere Aufgaben, während man den Kollegen über die Schulter schaut.. Nach und nach kann man dann komplexere Projekte übernehmen.

 

Du siehst also: Quereinsteigen ist zwar am Anfang etwas schwieriger, allerdings gewinnt man dabei auch besondere Erfahrungen und zeigt – auch für zukünftige Bewerbungen –, dass man offen für Neues ist und außerdem viel Eigeninitiative und Motivation mitbringt. Oder dass man für den Traumberuf bereit ist, den steinigen Weg zu gehen. Und genau das haben wir GeisteswissenschaftlerInnen anderen BerufseinsteigerInnen voraus: Wir wissen, dass es hart wird. Aber wir beißen uns durch. Und sind dann hoffentlich umso erfolgreicher.

 


 

 

Gastbeitrag von Judith Massar

 

Judith Massar hat Germanistik und Kulturwissenschaften studiert und ist heute Content Editorin bei whatchado. Von Karrieretipps über Berufsorientierung schreibt sie über alles, was ihr in die Finger kommt.

 

 >> www.whatchado.com/blog/author/judith-massar

 

 

 

 

 

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