Commonground Club

Start-up Porträt

Teresa Tramontana und Rebecca Wiederstein haben einen Business Club für Frauen in der Arbeitswelt gegründet, der etwas bewegen und die Gleichberechtigung von Frauen beschleunigen soll. 

Als neu gedachter Businessclub für Frauen in der Arbeitswelt soll der Commonground Club die Gleichberechtigung beschleunigen. Wie? Durch Vernetzung, Förderung, Inspiration und Empowerment. Im Gespräch erzählen die Gründerinnen, wie sie das schaffen wollen, worauf ihr Fokus liegt und warum sie Frauen die Augen öffnen wollen.

Mehr dazu unter commonground.at



Was genau ist der Commonground Club?

Teresa: Wir bieten eine Jahresmitgliedschaft an und legen Wert auf einen Co-Working- und Community-Fokus. Wir bieten eine Online-Plattform, Co-Working Retreats und Events, also temporäre Spaces für Frauen zur Vernetzung. Jedes Mitglied bekommt außerdem einmal im Quartal eine Produktbox, in der nur Labels von Frauen enthalten sind.

Wie kam es zu der Gründung bzw. was sind eure persönlichen Hintergründe?

Teresa: Nach meiner Zeit an der Uni Wien (Theater-, Film- und Medienwissenschaften) bin ich zur Innenarchitektur gekommen. Ich habe mich auch im Zuge dessen viel mit New Work beschäftigt. Vieles in der Arbeitswelt, von der Architektur über die Raumtemperatur bis zu den Arbeitszeiten, basiert auf Männern. Wir wollten ursprünglich einen Space von und für Frauen designen. 2020 ist Rebecca zum Projekt gestoßen und wir waren durch die Pandemie gezwungen, die Idee weiterzuentwickeln.

Rebecca: Ich habe mehrere Studien ausprobiert, darunter Publizistik an der Uni Wien, und bin dann zum Marketing gekommen. Ich habe mich mit Feminismus rudimentär beschäftigt und ich muss gestehen, Teresa hat mir wirklich ein bisschen die Augen geöffnet, was das Thema angeht. Uns ist Aufklärung ein sehr wichtiges Anliegen. Ich merke immer wieder, wie viele Frauen sich gar nicht mit Feminismus beschäftigen. Vieles kennen wir nicht anders und wir wollen hinzeigen, damit Frauen das sehen. Das treibt mich persönlich an.

Wie funktioniert euer Business-Modell?

Rebecca: Es ist eine Membership, also im B2C-Bereich kann man von Abo-Commerce sprechen. Aber auch den B2B-Part wollen wir noch verstärken, mit Paketen für Unternehmen. Außerdem verkaufen wir Produktboxen oder veranstalten Events, die auch öffentlich zugänglich sind.

Wie habt ihr den Start finanziert?

Rebecca: Bisher haben wir alles aus dem Cash-flow finanziert und die Stammeinlage aus unserem Privatvermögen.

Teresa: Als Nicht-Tech-Start-up fällt man leider durch viele Raster, was Förderungen betrifft.

Wie viel Zeit habt ihr im Vorhinein in den Aufbau gesteckt?

Teresa: Ein Jahr habe ich mich alleine damit beschäftigt und dann noch ein Jahr mit Rebecca gemeinsam, bis es zur Gründung kam.

Betreibt ihr Commonground Club hauptberuflich?

Teresa: Rebecca hat noch ihre Marketingagentur Rakete GmbH und ich mache es hauptberuflich.

Warum braucht es den Commonground Club? Was ist euer Ziel damit?

Teresa: Das ganz große Ziel wäre Gleichberechtigung von Frauen in der Arbeitswelt, aber im Kleineren gedacht natürlich Vernetzung, Austausch und Inspiration von Frauen.

Rebecca: Es braucht viele, um ans Ziel zu kommen, und zusammen können wir den Prozess bis zur Gleichberechtigung (laut Global Gender Gap Report wären es aktuell noch 135 Jahre) beschleunigen. Frauen müssen in Schlüsselpositionen kommen, wo sie an den Hebeln sitzen.

Können alle Frauen bei euch Mitglied werden? Auch als Studentin?

Teresa: Ja. Egal, ob selbstständig oder angestellt – wir sprechen vor allem Frauen an, die auch etwas bewirken wollen.

Was unterscheidet euch von anderen Vereinen oder Frauengruppierungen wie der Sorority, die gratis bzw. sehr günstig sind?

Teresa: Wir unterscheiden uns durch den Coworking-Fokus. Wir sind die ersten, die diese Event-formate anbieten.

Rebecca: Wir wollen uns nicht nur austauschen, sondern auch was tun und darum muss das was kosten. Wir können diese Qualität sonst nicht halten.

Teresa: Es ist exklusiver, indem die Co-Working-Pop-ups so gestaltet sind, dass höchstens 30 Frauen auf einmal da sind. Das kuratierte Erlebnis im intimen Rahmen sollte immer gegeben sein.

Gerade Teilzeitangestellte oder jüngere Frauen haben oft nicht das Budget für einen Business Club.

Rebecca: Wir haben über das Thema schon oft ge-sprochen und es ist auch eine Art Scholarship im Gespräch. Wir sind uns dessen bewusst, dass die Mitgliedschaft nicht für alle was ist. Unsere Zielgruppe ist tendenziell natürlich auch eher älter und sieht das Thema als persönliche Priorität. Es kommen aber demnächst auch neue Abo-Modelle mit eingeschränkterem Zugang, die günstiger sind.

Was waren die größten Herausforderungen, mit denen ihr bisher konfrontiert wurdet?

Rebecca: Das Wegstreichen von unseren tausend Ideen war echt schwierig. Aber das Wichtigste ist, dass die Basis steht.

Teresa: Den Fokus auf das Wesentliche zu legen. Und natürlich Finanzierung, das ist ein Riesenthema.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Rebecca: Wir hoffen auf 400–500 Mitglieder im Laufe des Jahres. Und irgendwann wird sicher der physische Space passieren.

Eure Tipps für Gründer*innen?

Rebecca: Mutig sein. Und einfach machen. Springen!

Teresa: Mit Gleichgesinnten reden. Der Austausch ist so wichtig und inspiriert.



Text und Interview: Anna Gugerell
Fotos: Patricia Weisskirchner



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