Willkommen, Lampenfieber!

Zitternde Hände, Schweißausbrüche, Herz­rasen. Unsicherheit und Angst machen sich breit – Du kennst dieses Gefühl? Dann geht es dir wie fast allen BewerberInnen. Bei einem Bewerbungsgespräch steht viel am Spiel: Du möchtest dein Gegenüber davon überzeugen, dass du der/die Richtige für den Job bist. Gleichzeitig gibt es keinen Fahrplan für das Gespräch und damit auch keinen perfekten Weg. Wir verraten dir, weshalb die Angst überhaupt aufkommt und weshalb das nicht unbedingt etwas Schlechtes bedeutet. Außerdem geben wir dir nützliche Strategien zum Umgang mit Nervosität mit auf dem Weg und verraten dir auch wie du sogenannte „Stressfragen“ im Bewerbungsgespräch gut meistern kannst.

Fakten zum Lampenfieber

 

Ängste im Bewerbungsgespräch sind -ähnlich wie Prüfungsängste- eine Form der Bewertungsangst. Sie tauchen speziell dann auf, wenn eine bestimmte Situation nicht vollkommen kontrolliert werden kann. DieAngst tritt in der Regel als Ergebnis unserer Gedanken auf – Gedanken, ob und wie wir bewertet werden und ob wir den Erwartungen der/s GesprächspartnerIn entsprechen.

Lampenfieber...

...ist „normal“ und menschlich -  selbst versierte SchauspielerInnen und MusikerInnen berichten vor ihren Auftritten davon. Von den ZuhörerInnen wird es meist als sympathisch aufgefasst– wie so oft, wenn Gemeinsamkeiten festgestellt werden.

...ist nicht per se ein Zeichen von Inkompetenz oder Unsicherheit, sondern einfach von Nervosität. Wie du selbst dieses Gefühl bewertest und damit umgehst, bestimmt letztendlich dessen Einfluss. Beruhigend zu wissen: Meistens wird  nur ein Bruchteil der (gefühlten) Nervosität vom Gegenüber überhaupt wahrgenommen.

...signalisiert, dass dir die Situation wichtig und ernst ist!

...ist ein klarer Indikator dafür, dass du deine Komfortzone verlässt. Du bist in einer nicht alltäglichen Situation, lernst Neues dazu und springst vielleicht sogar über deinen Schatten. Beim erfolgreichen Überstehen der Situation werden viele Endorphine ausgeschüttet und du stärkst dein Selbstvertrauen für zukünftige Herausforderungen.

 

Strategien zum Umgang mit Lampenfieber

  • Verbünde dich mit der Nervosität: Lampenfieber ist wie ein ungebetener Gast, dem wir am liebsten nicht in die Augen schauen wollen. Im mittleren Ausmaß ist es aber ein wichtiger Adrenalinstoß und fördert unsere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Lass' deine Nervosität zu und lenke deine volle  Aufmerksamkeit auf das Gespräch - und weniger auf dich selbst und deine Körperreaktionen.
  • Setze dich mit der Angst auseinander:  Welche Funktion könnte die Angst haben? Probiere den Perspektivenwechsel und frag' dich, was dir die Angst mitteilen will. Wenn du weißt, was dir am meisten Furcht bereitet, kannst du dort konkret ansetzen. Vielleicht stellt sie dir wichtige Fragen, wie z.B.:  Hast du dich auch genug vorbereitet? Willst du den Job auch wirklich? Wie geht’s weiter, wenn du den Job nicht bekommst? Was passiert, wenn du die passenden Antworten nicht gleich parat hast? Was ist, wenn du dich nicht perfekt präsentieren kannst? Versuche, die Angst nicht als Feind, sondern als Freund zu betrachten, der eine wichtige Botschaft vermittelt.
  • Mach' den Vorbereitungs-Check: Gibt es gefürchtete Fragen, die dich besonders nervös machen? Bereite dich auf diese besonders vor, um sicherer in Ihrer Selbstpräsentation zu werden. Wie du souverän mit möglichen Stressfragen im Gespräch umgehen kannst, erfährst du im Laufe dieses Artikels.
  • Werde selbst zum/r Gestalter/in: Ein Bewerbungsgespräch ist ein Kennenlernen und keine Prüfungssituation. Beweise Mut zur Gegenfrage, wenn eine Frage für dich nicht verständlich ist. Gestalte das Gespräch aktiv mit, ganz nach dem Motto: „Wer fragt, der führt!“.
  • Nutze deine Vorstellungskraft: Lampenfieber beruht auf einer sorgenvollen Vorstellung der Zukunft. Gedanken wie: „Was passiert, wenn…?“ sind meist negativ gefärbt. Drehe den Spieß um und nutze diese Tatsache als Motivationstechnik, indem du dir die Gesprächssituation als „Best Case Szenario“ ausmalst. 
  • Schraube den eigenen Perfektionismus herunter: Mach' dir klar, dass du nicht jeden Punkt im Jobprofil zu 100 Prozent erfüllen kannst. Auch gibt es nicht auf alle Fragen im Bewerbungsgespräch die ideale Antwort. Vertraue darauf, dass du dich ausreichend vorbereitet hast und deine wichtigsten Argumente einbauen kannst. Auch PersonalistInnen wissen, dass sie keine perfekten KandidatInnen vor sich haben. Als BewerberIn kannst du trotzdem oder gerade deshalb punkten: Beweise deine Fähigkeit zur  Selbstreflexion und dein Selbstvertrauen, in dem du (auf Nachfrage) Bereiche aufzeigst, wo du dich noch verbessern willst, und bereite konkrete Vorschläge dafür vor.
     
  • Definiere eigene Ziele: Was möchtest du selbst im Gespräch erreichen? Lege dein Augenmerk nach dem Gespräch darauf, was dir gut gelungen ist und was du an deiner Selbstpräsentation verbessern willst. So hast du deine Erfolgserlebnisse im Blick – unabhängig von einer Jobzu- oder -absage.
  • Nutze einfach Atemübungen:  Eine ruhige, tiefe Atmung hilft dabei, Nervosität zu lindern. Atme bewusst tief bis in den Bauch ein, halte kurz inne und atme dann langsam wieder aus.

Souveräner Umgang mit Stressfragen

Stressfragen haben vor allem ein Ziel: dich als BewerberIn dazu zu bringen, von deiner gewohnten Antwortroutine abzuweichen. Man will dich emotional so fordern, als ob du dich in einer realen stressigen oder schwierigen Arbeitssituation befindest. Überprüft wird deine Reaktion, um bessere Prognosen über dein Verhalten in der Zukunft machen zu können. Neben der Belastbarkeit kann aber auch deine Kreativität und Spontanität auf dem Prüfstand sein.

Ob Stressfragen in einem Interview vorkommen, hängt einerseits vom persönlichen Interviewstil des/r Personalisten/in ab. Andererseits können sie auch spontan eingesetzt werden, wenn die Antworten des/r Bewerbers/in zu sehr auswendig gelernt wirken oder sein/ihr Profil noch nicht klar genug zur Geltung gekommen ist.

Tipp: Hab' nicht den Anspruch an dich, wie aus der Pistole geschossen reagieren zu müssen – nimm dir ruhig etwas Zeit, um auf die (ungewöhnlichen) Fragen zu antworten. Versuche, nicht gereizt oder persönlich zu reagieren. Denn es kommt weniger auf deine exakte Antwort, sondern vielmehr auf die gesamte Reaktion an. Natürlich sollst du aber auch auf deine Grenzen achten! Wenn du das Gefühl hast, ein/e Interviewer/in begegnet dir mit respektlosem oder gar aggressivem Verhalten, sprich das ruhig direkt an oder verlasse – im schlimmsten Fall – das Gespräch vorzeitig.

Beispiel: Provokante Fragen

„Sie haben ja sehr lange studiert! Lag das vielleicht daran, dass Sie zu wenig Selbstmotivation oder zu wenig Zielstrebigkeit aufbringen konnten?“

Provokante Fragen dienen dazu herauszufinden, ob du auch in schwierigen Situationen die Ruhe bewahren kannst. Bleibe freundlich und widerlege unterstellte Schwächen mit Sachargumenten. Im obigen Beispiel könntest du deine längere Studiendauer beispielsweise mit Auslandserfahrungen, Praktika, Jobs neben dem Studium, privaten Weiterbildungen oder besonders intensivem Studieren über die Pflicht-Studienfächer hinaus begründen. 

Beispiel: Sehr persönliche Fragen

„Was war Ihr größter Misserfolg bisher?“

Ebenso wie die Fragen nach den Schwächen kann auch die Frage nach Misserfolgen ins Schwitzen bringen. Solche Fragen sollen vor allem deine Selbstreflexion und Ehrlichkeit überprüfen. Bring hier ein (berufliches) Beispiel, wo du viel über dich selbst dazugelernt hast und beschreibe auch deinen persönlichen Zugang zu Fehlern bzw. Misserfolgen.

Beispiel: Häufiges Nachfragen

„Weshalb haben Sie den letzten Job aufgegeben? (...) Welche Gründe hat es noch gegeben? Lag es auch am Team/an der Führungskraft? Lag es auch an Ihren persönlichen Kompetenzen?"

Manche InterviewerInnen wirken besonders neugierig, in dem sie nach jeder Antwort des/r Bewerbers/in noch einmal genauer nachfragen. Ziel ist es, dich in Stress zu versetzen und so an noch mehr (ehrliche) Informationen heranzukommen. Wenn du das Gefühl hast, die bohrenden Fragen sind mehr Technik als wirkliches Interesse, erkläre sachlich, dass dir keine weiteren Punkte mehr einfallen. Auch hier gilt: Bring Begründungen und Erklärungen an, aber keine Rechtfertigungen oder Entschuldigungen.

Spezialfall: Unzulässige Fragen

Bei bestimmten Fragen hast du als BewerberIn das Recht, die Beantwortung abzulehnen bzw. auch zu lügen. Mach' dich daher auch mit den sogenannten „unzulässigen“ Fragen im Bewerbungsgespräch vertraut. 

Fragen zu folgenden Themen sind rechtlich nicht erlaubt:

• Familienstand & Kinderwunsch
• Vermögensverhältnisse
• Gesundheitszustand & Behinderung
• Vorstrafen
• Partei- und Religionszugehörigkeit, sexuelle Orientierung
• Letztes Gehalt

Ausnahmen gelten dann, wenn diese Fragen mit den Anforderungen der vakanten Stelle in Verbindung stehen. Im medizinischen Bereich ist z.B. ein Gesundheitszeugnis Pflicht.

Wie du damit umgehen möchtest, wenn dir heikle Fragen gestellt werden, ist in jedem Fall eigenständig zu überlegen oder auch in einem Coaching zu besprechen.

Wenn du dich individuell auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten willst oder ein Bewerbungsgespräch mit einer/m unserer BeraterInnen simulieren willst, freuen wir uns über deine Kontaktaufnahme unter beratungsymboluniportpunktat. Tipps rund ums Thema Job-Interview bietet auch unser gleichnamiger Workshop aus unserem JobStart-Trainingsprogramm.

Das Uniport Beratungsteam wünscht dir viel Erfolg für deine zukünftigen Gespräche!

PS: Anitas Tipps zum Thema Umgang mit Stressfragen & Nervosität sind auch Teil der aktuellen Ausgabe des univie-Magazins.